Downshifting – los geht’s!

Seit Beginn meiner Jobauszeit ist für mich klar, dass ich nicht in einen 40-Stunden-Fulltime-Job zurückmöchte. Downshifting heißt meine Devise. Da ich mich momentan intensiv auf Teilzeitjobs bewerbe, beschäftige ich mich gedanklich stark damit, welche Vor- und Nachteilen das Herunterschalten im Job mit sich bringt. Hier findest Du ein Update zu meiner beruflichen Neuorientierung.

Downshifting – mein Vorgehen

In meinem letzten Job wollte ich schon einmal weniger arbeiten. Nach der Elternzeit hatte ich zusammen mit meinem Arbeitgeber vertraglich 30 Wochenstunden festgesetzt. Leider hat die Umsetzung nicht geklappt. Ich bekam in der Praxis zwar das Gehalt für 30 Wochenstunden, aber Arbeit für 40. Dank des großen Aufgabenpensums kombiniert mit einer hohen Reisetätigkeit war mein Überstundenkonto stets bestens gefüllt. Mein erster Downshifting-Versuch ist somit kläglich gescheitert.

Das Fazit, das ich hieraus gezogen habe: Bestimmte Jobs, wie meine Tätigkeit als Projektleiterin in einer Agentur, eignen sich wohl eher schlecht für Teilzeit. Ich suche deshalb nach anderen beruflichen Möglichkeiten. Es ist für mich nicht mehr wichtig als „Leiterin“ zu arbeiten, Assistenz tut es auch. Zurzeit durchsuche ich die Jobportale ganz einfach mit dem Filter „Teilzeit“, ohne mich dabei auf meine Ausbildung und meinen bisherigen Werdegang zu beschränken. Mein Ziel sind reelle 20 bis 30 Wochenstunden. Wenn sich bei mir beim Lesen einer Stellenausschreibung ein freudiges Gefühl und Lust auf Arbeit einstellt, schreibe ich eine Bewerbung. Natürlich nur dann, wenn ich mir aufgrund meiner Berufserfahrung Chancen für ein Bewerbungsgespräch ausrechne und ich mit dem erwarteten Nettogehalt mindestens meine Ausgaben decken kann.

Downshifting – Vorteile, die ich erwarte

Neben meinem Beruf möchte ich genügend Zeit für meine Familie, meine privaten Projekte und Interessen haben.

Zudem erhoffe ich mir, dass ich durch das Downshifting nach Feierabend und im Urlaub abschalten kann. Das war bei meiner letzten Stelle nicht der Fall und dieser Vorteil würde meine Lebensqualität beträchtlich steigern!

Mein wohliges Bauchgefühl sagt mir, dass mein Vorgehen genau richtig ist. Nach jahrelangem „Leben um zu arbeiten“ möchte ich hin zum „Arbeiten um zu leben“. Diese Entscheidung hätte ich schon viel früher treffen sollen. Aber erst jetzt bin ich so weit, alte Ängste und Vorstellungen loszulassen. Erst jetzt traue ich mich, gegen den Strom zu schwimmen.

Downshifting – Nachteile, die ich fürchte

Wenn ich an meine Finanzen denke, fühle ich mich mit dem Downshifting nicht mehr ganz so wohlig. Gekonnt rechnet mein Verstand mir meine finanziellen Einbußen vor. Neulich habe ich mich auf eine Stelle beworben, bei der sich mein Gehalt halbieren würde. Dank meiner Passion für Minimalismus und meiner Konsumauszeit ist es für mich in Ordnung, wenn mein Gehalt weniger wird. Trotzdem – die Aussicht, nicht mit weniger, sondern mit sehr viel weniger Geld auskommen zu müssen, macht mir Angst. Es geht ja nicht immer darum, sich Luxus leisten zu können. Im Notfall möchte ich eine irreparable Waschmaschine ersetzen und die Klassenfahrt des Kindes bezahlen können. Deshalb werden es wohl eher 30 als 20 Wochenstunden.

Natürlich fühlt es sich auch seltsam an, die eigene Karriere über Bord zu werfen. Alles was ich mir bisher hart erarbeitet habe, gebe ich nun wahrscheinlich auf. Sollte ich meine Entscheidung irgendwann bereuen, wird es beruflich sicherlich sehr schwierig wieder dort anzuknüpfen, wo ich einmal war.

Was ich zudem feststelle. Es ist gar nicht so einfach, sich auf einen „Schritt zurück zu bewerben“. Ich formuliere mir den Wolf, um kurz, knackig und überzeugend darzustellen, warum ich die Stelle will, obwohl dies keine schlüssige Fortsetzung meines Lebenslaufes bedeutet. Teilweise befürchte ich, dass Arbeitgeber davon ausgehen, dass ich keine wirkliche Lust zum Arbeiten habe. Das ist absolut nicht so. Ich arbeite sehr gerne, aber eben nicht rund um die Uhr.

Downshifting – was sagt das Internet?

Während meines Entscheidungsprozesses habe ich viel im Internet zum Thema Downshifting recherchiert. Besonders viel Interessantes habe ich dazu (noch) nicht gefunden. Oft ist die Rede von überdurchschnittlich verdienenden Topmanagern, die beschließen auf unbestimmte Zeit auf Weltreise zu gehen, oder von Totalaussteigern, die in eine Jurte ziehen und mit 300 Euro im Monat auskommen. Beides ist beeindruckend, aber ich finde mich in diesen Beispielen nicht wieder. Auch beachtlich: Viele Frauen arbeiten Teilzeit. Hier ist aber in den Medien selten von Downshifting die Rede, sondern eher von „Teilzeitfalle“.

In den Internetforen gehen die Meinungen und Erfahrungen zum Thema Downshifting weit auseinander. Manche berichten, dass das Downshiften die beste Entscheidung ihres Lebens war. Andere mussten die Teilzeit wieder aufgegeben, weil die finanziellen Einbußen zu groß waren. Wieder andere sind wütend, weil sie glauben, dass Downshifter auf Kosten der Gesellschaft leben und nicht genügend Rentenpunkte sammeln würden.

Genau wie vor meiner Kündigung ohne neue Jobaussicht habe ich schnell beschlossen, nicht mehr zu recherchieren, sondern meine eigenen Erfahrungen zu sammeln. Ich bin sehr gespannt und werde davon berichten!

So und jetzt noch ein bisschen Kitsch zum Schluss: Das ist mein aktueller Motivationssong zur beruflichen Neuorientierung! 😉 „Let it go“ von Frozen. Mit Strophe 3 kann ich mich sehr gut identifizieren:

Was ich wohl alles machen kann?
Die Kraft in mir treibt mich voran!
Was hinter mir liegt ist vorbei!
Endlich frei!!!

Walt Disney Pictures: Die Eiskönnigin – Völlig unverforen.  Lass jetzt los. 

4 Gedanken zu “Downshifting – los geht’s!

  1. Carola schreibt:

    Guten Morgen,

    ich möchte auch nie wieder zurück zu einem 40 Stunden Job. Momentan arbeite ich 25 und bin ganz zufrieden. Ich könnte mir vorstellen, dass ich auf 30 erhöhe, wenn die Kinder älter sind. Ich hab allerdings großes Glück gehabt, einen Arbeitgeber zu finden, der flexibel ist – ich kann in den Ferien auch mal zwei Wochen im Home Office arbeiten – und auch in zwei Kindern keinen Grund sieht, warum ich nicht genauso viel Leistung wie Mitarbeiter ohne Kinder bringen sollte. Da hab ich in etlichen Bewerbungsgesprächen leider ganz andere Erfahrungen gemacht. Selbst bei 20 Stunden Jobs und einer Kinderbetreuung von 8-17 Uhr wurde immer noch mal nachgefragt, ob die Betreuung gesichert sei. Mich hat das immer wahnsinnig geärgert, da es ja auch noch einen Vater gibt, der sich kümmern will und kann.

    Ich arbeite übrigens in einer Internetagentur in der Kundenbetreuung. Agentur und Teilzeit schließen sich nicht unbedingt aus :-).

    Viel Erfolg bei der Jobsuche.

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  2. Iris Wosny schreibt:

    Hallo Katrin,
    ich interessiere mich auch sehr für das Thema und habe in den letzten Jahren darauf hingearbeitet mir den Traum zu erfüllen… dauert jetzt also nicht mehr lange!
    Werde allerdings auch dieses Jahr schon 50 und habe meinen nun 19-jährigen Sohn allein erzogen… da war in den ersten Jahren sowieso nur Teilzeit möglich… und von daher immer sparen angesagt! Und nach einer Zeit mit richtig Gas geben um wieder Fuß zu fassen – die mit wirklich viel Entbehrungen einhergegangen ist – habe ich jetzt große Lust etwas für mich zu tun!
    Vielleicht schreibst du auch mal etwas darüber, wie das in einer Paarbeziehung mit Kind so läuft… ich denke von den Existenzängsten die Alleinerziehende so haben bist du weit entfernt… wenn du dir als Paar einig bist!
    Das soll kein Vorwurf sein…Es interessiert mich nur, weil es eben ganz etwas anderes ist!
    Einen lieben Gruß von Iris

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    • Brombeerhecke schreibt:

      Hallo Iris

      ich denke auch, dass vieles im „Verbund“, also in Paarbeziehungen, Wohngemeinschaften, Familien, einfacher ist. Einfach weil die Last und Existenzsorgen auf mehrere Schultern verteilt sind und man sich Kosten, z. B. für die Wohnung teilen kann. Was genau interessiert Dich an Paarbeziehungen mit Kind? Bei uns ist es momentan so, dass mein Mann Vollzeit arbeitet und ich seit Kurzem wieder Teilzeit. Anteilig zum Gehalt zahlen wir jeden Monat in unsere Familienkasse ein. Davon bezahlen wir alle Familienkosten (von Lebensmittel, über Kita bis Urlaub), die anfallen. „Persönliche“ Kosten, also wenn beispielsweise mein Mann ins Kino will oder ich Klamotten kaufe, zahlen wir das von unserem jeweiligen Gehalt und nicht aus der Familienkasse. Ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Erfolg auf Deinem Weg. Was hast Du vor? LG Katrin

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