Leihgemeinschaft in der Nachbarschaft – ein Update

Leila, Berlins größter Leihladen, bietet nun ein Starter Kit für die Neugründung eines Leihladens an! Meine nachbarschaftliche Leihgemeinschaft, über die ich hier im Blog bereits berichtet habe, ist hierbei als kleines, niederschwelliges Beispielprojekt verlinkt! Das freut mich natürlich sehr! Ein Update zu der von mir initiierten Leihgemeinschaft findest Du nun hier.

Eine Leihgemeinschaft gründen – in wenigen Schritten ans Ziel

Mit minimalem Aufwand kannst Du eine Leihgemeinschaft gründen und Dich so gegen Ressourcenverschwendung, gegen wachsende Müllberge und für eine gemeinschaftlichere Lebensweise einsetzen.

Was ist eine Leihgemeinschaft?

Es ist ganz einfach: Die meisten von uns besitzen viele Geräte und Gegenstände, die sie selten nutzen. Ich denke an Waffeleisen, Rasenmäher, Kinderreisebetten oder Fondüsets. Diese liegen im Regal oder Keller herum. Im schlechtesten Fall enden sie als Staubfänger oder auf dem Schrottplatz. In einer Leihgemeinschaft werden all diese Dinge an andere ausgeliehen und kommen so regelmäßig zum Einsatz. Ich verleihe beispielsweise an einen Nachbarn für ein Sonntagsfrühstück mein arbeitsloses Waffeleisen. Dafür brauche ich mir keine Bohrmaschine zu kaufen, wenn ich ein Bild aufhängen will. Denn dieses Gerät kann ich mir ausleihen.

Das Modell, das ich hier vorstelle, habe ich in unserer Baugruppe umgesetzt. Es eignet sich, meiner Erfahrung nach, sehr gut für Gruppen, die sich untereinander kennen (Nachbarn, Freunde, Kollegen, Vereinsmitglieder etc.).

Die Idee für die Gruppe habe ich in einem Utopikon-Workshop mit Nikolai von Leila entwickelt. Folgendermaßen bin ich vorgegangen:

  • Per E-Mail potenzielle Interessenten aus der Nachbarschaft oder aus dem Freundes-/Kollegenkreis befragen, ob sie an einer Leihgruppe teilnehmen wollen
  • Exceltabelle mit folgenden Spalten erstellen:
    – Kategorie (Küchengeräte, Werkzeuge, Fahrzeug, Spielsachen etc.)
    – Gegenstand (Waffeleisen, Bohrer, Damenrad, Tischtennisschläger etc.)
    – Name des Verleihers
    – Anschrift des Verleihers
    – Telefonnummer des Verleihers
    – Status des Gegenstands (frei, verliehen)
    – Anmerkungen (z. B. reserviert bis zum tt.mm.jjjj)
  • Exceltabelle in einen Webspace laden, auf den alle online zugreifen können. Wir verwenden momentan Google Docs. Der Vorteil daran ist, dass alle Teilnehmer, die den Link zur Tabelle erhalten haben, diese ansehen und bearbeiten können. Hierzu müssen sie keinen Google Account besitzen.
  • Link zur Exceltabelle mit kurzer Erklärung an alle potentiellen Teilnehmer versenden.
  • Jeder Teilnehmer trägt selbst Gegenstände in die Liste ein oder aus und aktualisiert deren Status (frei, verliehen, reserviert). Somit bleibt die Arbeit nicht an einer zentralen Person hängen.
  • Wer etwas ausleihen möchte, wirft einen Blick in die Liste und nimmt Kontakt zum jeweiligen Nachbarn auf. Verleiher und Leiher vereinbaren, wann der Gegenstand zurückgebracht werden soll und eventuell auch, wie er genutzt werden darf. Hier haben wir keine besonderen Regeln aufgestellt.
  • Ein Verantwortlicher sollte regelmäßig eine Sicherheitskopie der Tabelle anfertigen.

Das war es schon! Das Projekt ist sehr niederschwellig und somit für alle geeignet, die ohne viel Zeitaufwand etwas bewegen wollen.

Projektstand bei uns in der Nachbarschaft

In unserer Leihgruppe nehmen momentan acht Haushalte aktiv teil. Das sind nicht so viele, wie ich es mir erhoffe – aber bereits mit wenigen Haushalten enthält unsere Leihbibliothek 70 Gegenstände! Somit haben nun viele Familien Zugriff auf viele tolle Sachen, ohne diese kaufen zu müssen. Zu unserem Fundus gehören zum Beispiel eine Getreidemühle, Waffeleisen, ein Kinderhochstuhl, ein Bollerwagen, Eismaschinen, Schlagbohrer, Gästefahrräder, ein Gummiboot, ein Multimeter und Rasenmäher. „Kaufen war gestern! Leihen ist heute!“ wie Leila so schön sagt. Besonders schön finde ich, dass ich durch das Projekt einige meiner Nachbarn bereits besser kennengelernt habe. Die Leihgemeinschaft bietet immer wieder Kontaktmöglichkeiten!

Ich gehe davon aus, dass mit der Zeit mehr Familien zu uns stoßen. Die Gruppe ist offen. Jederzeit kann sich eine Familie unserer Baugruppe mit ihren Gegenständen in die Liste eintragen oder etwas ausleihen auch wenn sie selbst nichts verleiht. So bleibt keiner ausgeschlossen.

Bisherige Einwände gegen die Gemeinschaft

Einmal hörte ich den Einwand, dass es doch eh üblich sei, sich in der Nachbarschaft Dinge auszuleihen. Wozu also diese Gruppe? Ich behaupte, es ist nicht mehr üblich, sich gegenseitig Sachen auszuleihen. Das sieht man alleine daran, dass die meisten Familien ein Waffeleisen besitzen, das 364 Tage unbenutzt herumsteht.Derzeit ist es eher üblich, alles gleich selbst zu kaufen. Eine Leihgemeinschaft ist eine gute Möglichkeit, das Leihen wieder ins Gedächtnis zu rufen, aktiv zu fördern und populärer zu machen. Eine organisierte Leihgemeinschaft hat zudem den Vorteil, dass ich mich nicht durch die Nachbarschaft fragen muss, bis ich einen bestimmten Gegenstand zum Leihen finde. In der Leihbibliothek sehe ich auf einen Blick, wer was gerne verleiht.

Wenn Du Lust hast, ebenfalls eine Leihgruppe zu gründen, dann probiere es einfach aus. Es ist nicht schwer! Wenn Du sogar einen richtigen Leihladen aufbauen willst, dann schaue Dir unbedingt das Starter Kit von Leila an!

Lesetipps: 

Leila Starter Kit für eine Leihladengründung

Interessanter Artikel über Leila auf dem CommonBlog von Silke Helfrich

3 Gedanken zu “Leihgemeinschaft in der Nachbarschaft – ein Update

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