Was ich nicht mehr brauche – weg minimalisiert 2016

Schon sind sie vorbei, die Bloggerferien, und hier bin ich wieder. Ich hoffe, Du bist gut in das neue Jahr gerutscht und freust Dich auf 2017!

Zum Einstieg in das neue Jahr habe ich eine Liste erstellt, mit den Dingen, die ich 2016 weg minimalisiert habe. Zusammengekommen sind fast 400 Dinge! Diese hohe Zahl hat mich fast vom Stuhl gehauen! Das Wahnsinnige daran – ich vermisse diese Dinge nicht. Mehr noch, ich musste mich richtig anstrengen, um mich überhaupt an sie zu erinnern! Ich schließe daraus, dass die Gegenstände, Geräte, Bücher usw. für mich keinen Mehrwert hatten. Ich habe für 400 Dinge Geld und Lebenszeit verbraucht, die mir rein gar nichts gebracht haben! Ich habe für sie gearbeitet, ich habe sie verwaltet, abgestaubt, aufgeräumt und geputzt. Für die Herstellung dieser Dinge wurden wertvolle Ressourcen verbraucht und irgendwann werden sie auf dem Müll landen. Mit ZERO Mehrwert.

Da stellt sich natürlich die Frage, warum, ich so viel eingekauft habe. Die Antworten, die mir momentan dazu einfallen sind:

  • Einkaufen macht Spaß und entspannt. Mit Einkaufen habe ich früher Langeweile, Frust und Stress bekämpft. Im Mittelpunkt stand der Einkauf, nicht der Gegenstand an sich.
  • Beeinflusst von Werbung oder von Mitmenschen dachte ich, dass ich bestimmte Dinge „brauche“, um mich besser zu fühlen oder dazuzugehören.
  • Es ist bei uns üblich, viel zu kaufen und zu besitzen. Usus ist – um nur einige Beispiele zu nennen – zwölf gleiche Teller, zwölf Weingläser, zwölf Sektgläser etc., Weihnachtsdeko, Osterdeko etc., mindestens ein Auto und ein Fahrrad, eine abwechslungsreiche Garderobe mit passenden Schuhen, verschiedenste Sportausstattungen, sehr sehr viel Spielzeug, Schmuck, Raclettesets, Tischgrills, Bastelutensilien, zig Cremes, Parfums, Seifen, und, und, und. Im unbewussten Zustand machte ich einfach mit, ohne den Sinn zu hinterfragen.

Inzwischen weiß ich, dass ich viel weniger benötige als gedacht, um mich zufrieden und wohl zu fühlen. Mein freiwilliger Verzicht auf 400 Dinge tut nicht weh und macht mich leicht und frei. Warum? Ich gewinne Zeit, weil ich weniger aufräumen, putzen und waschen muss. Ich muss auch nicht einkaufen gehen, außer wenn der Kühlschrank leer ist. Ich muss nicht mehr als 20 bis 30 Stunden arbeiten, weil ich weniger Geld ausgebe. Die freie Zeit nutze ich für das, was mir wirklich wichtig ist: meine Familie, meine Freunde, meine Hobbys. Und manchmal nutze ich die freie Zeit, um mich in negativen Gefühlen zu suhlen. Dann würde ich doch gern wieder einkaufen gehen. Einkaufe lenkt so schön von Frust, Langeweile und Weltschmerz ab. Mache ich aber nicht. Tagebuch schreiben, mit Freunden telefonieren oder einfach mal auf dem Sofa abhängen und das aushalten, hilft nämlich auch.

2016 weg minimalisiert – meine Liste:

Hygiene- und Pflegeprodukte

  • Haarfestiger
  • Haarspray
  • Haarspülung (ersetzt durch Essigrinse)
  • Shampoo (ersetzt durch Haarwaschseife)
  • Waschlotion für das Gesicht (ersetzt durch Olivenöl)
  • Gesichtswasser
  • Gesichtstoner
  • Gesichtsserum
  • Tagescreme
  • Nachtcreme (ersetzt durch Olivenöl)
  • Gesichtsmasken
  • Mundwasser
  • Elektrische Zahnbürste
  • Körperpeeling
  • Körperlotion
  • Deo (Einsatz nur noch bei „Stress-Terminen“)
  • Duschgel
  • Massagebürsten
  • Elektrischer Hornhautentferner
  • Fön
  • Make-up
  • Wimperntusche
  • Tampons (ersetzt durch Menstruationstasse)
  • Körperwaage

Putzmittel

  • Industrielles Waschmittel (ersetzt durch eigene Rezeptur)
  • Industrielles Spülmittel (ersetzt durch eigene, leider noch nicht perfekte Rezeptur)

Kleider, Schuhe, Accessoires

  • Ca. 70 Kleidungsstücke (aktueller Bestand)
  • Ca. 10 Paar Schuhe
  • 3 Taschen
  • Ca. 20 Stück Schmuck

Möbel und Dekoration

  • 1 Schreibtisch
  • 3 Kinderstühle
  • 1 Kinderbett mit Betthimmel
  • 1 Sideboard
  • 1 Kleiderschrankmodul
  • 1 Sofabeistelltisch
  • Ca. 20 Dekoartikel und Bilder

Auto und andere Transportmittel inkl. Equipement

  • Auto inkl. aller Versicherungen
  • 1 Fahrradanhänger für Kinder
  • 1 Babyschale
  • 1 Wanderkraxe für Kinder

Küche

  • 1 doppelt vorhandener Stabmixer
  • Ca. 5 defekte Messer
  • Ca. 10 Stück doppelt vorhandenes Vorlegebesteck
  • Ca. 5 Stück doppelt vorhandene Töpfe und Pfannen
  • 1  Umzugskarton voll Tassen, Teller, Schüsseln

Bücher, Spiele, Zeitschriftenabos

  • Ca. 100 Bücher
  • Ca. 30 Spiele
  • 5 alte Tagebücher
  • 2 Abos für Fachzeitschriften

Medikamente

  • 1 kleine Kiste abgelaufene Medikamenten
  • Erkältungsmedikamente (ersetzt durch Zwiebelhonig, Ginger Shot, Thymian- und Salbeitee)

Krimskrams

  • Ca. 20 defekte Kugelschreiber
  • 4 USB-Sticks

Keller

  • 1 Umzugskarton voll mit Elektroschrott und Altmetall

Versicherungen

  • Private Zusatzversicherung
  • Zahnzusatzversicherung
  • Altersvorsorge stillgelegt (nehme ich wieder auf, wenn ich einen Job habe)

Dienstleistungen

  • Putzfrau
  • Friseur (lasse die Haare wachsen)
  • Jahreskarte für die Öffis (Abo läuft im März 2017 aus, fahre meistens Rad)
  • Flüge seit Oktober (fällt uns sehr schwer)
  • Yogakurskarten (ersetzt durch Onlinekurse auf Youtube)
  • Filme-Abo

Job

  • Ich mache Auszeit, freue mich aber so langsam richtig auf einen „9-to-3-Job“

Eine konkrete Vorgehensweise hatte ich beim Ausmisten nicht. Meistens bin ich einfach mit einer großen Tüte durch die Wohnung gelaufen und habe eingepackt, was seit Monaten oder sogar Jahren unbenutzt herumstand. Das anschließende Verkaufen und Verschenken der Dinge hat viel Zeit in Anspruch genommen – ein Grund nie mehr so viel anzuhäufen!

Wenn Du auch ausmisten möchtest und nach Anleitungen suchst, helfen Dir vielleicht diese hier weiter:

Mamadenkt.de: Entrümpeln (1). Ein Leitfaden.

Moin Yamina: Ausmisten und Kleiderschrank-Minimalismus.

8 Gedanken zu “Was ich nicht mehr brauche – weg minimalisiert 2016

  1. ichmachesanders schreibt:

    Hallo Katrin!

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Ich war extrem neugierig, was die 400 Dinge waren, die du entsorgt/ersetzt hast und habe fest gesetellt, dass ich einige davon gar nicht besitze (Haarspray, Körperlotion, Körperpeeling, Putzfrau etc.) und manche dabei sind, auf die ich nicht verzichten mag (z. B. Öffiticket, Gesangsstunden mit Yoga gleich zu setzen). Zum Yoga möcht ich auch was los werden: ich sehe es fast ein bisschen problematisch, dass die soziale Interaktion mit anderen Menschen durch digitale Medien wie z. B. Youtube ersetzt werden.

    Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass mit einem Teilzeitjob anders gehaushaltet werden muss (ich habe selbst im August von Voll- auf Teilzeit reduziert, um wieder mehr Zeit für die für mich wirklich wichtigen Dinge zu haben) und ich musste auch meine Gesangsstunden von 4 auf 2 pro Monat reduzieren, aber ich könnte sie niemals komplett ausfallen geschweige denn durch irgendein digitales Medium ersetzen. Wir leben ohnehin in einer durch und durch digitalisierten Welt – direkte soziale Interaktionen werden immer weniger. Da sollte zumindest das sinnvolle Lieblingshobby (da fällt für mich z. B. Yoga oder Singen hinein, da man damit etwas für Geist, Seele und Körper tut. Das Gegenteil wäre, 3 Mal pro Monat ins Kino zu rennen) noch voller sozialer Interaktion sein. Ist jedenfalls meine Meinung. Es soll kein Vorwurf sein – jeder soll das machen, was er für richtig hält – aber vielleicht regt es ein wenig zum Nachdenken an.

    Alles Liebe,

    Sabrina

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    • Brombeerhecke schreibt:

      Hallo Sabrina! Vielen Dank für deinen spannenden Kommentar! Das Digitalisieren von Kursen ist sicherlich nicht immer unproblematisch. Ich denke, wenn man z. B. Yoga-Anfänger ist, ein Musikinstrument oder Gesang neu lernen will ist ein echter Lehrer durch ein Video nur schwer zu ersetzen. Und natürlich kann man ganz schön vereinsamen, wenn man nur noch zu Hause vor dem Rechner sitzt und nicht mehr rauskommt. Da stimme ich dir zu. Auf der anderen Seite sind die Online-Kurse eine gute Möglichkeit für alle, die wenig Zeit und Geld haben oder sich gerne autodidaktisch fortbilden. Bei mir war die Zeit der wichtigste Faktor. Seit ich ein Kind habe, mache ich Yoga morgens um sechs oder abends um zehn. Zeiten zu denen keinen Kurse stattfinden. Zudem fällt bei der Online-Version die lange Anfahrt weg. So bleibt mehr Zeit für meine Familie. Was mich bei dieser Thematik mehr beschäftigt als die Reduzierung von sozialen Kontakten ist folgendes: Von was leben Friseure, Yogalehrer, Gesangslehrer, Putzkräfte, Kinobetreiber usw. wenn viele Menschen Kurse & Dienstleistungen minimalisieren? Deshalb finde ich es gut, wenn man hier Geld fließen lässt. Auch wenn ich das gerade selbst aus Zeit- und Budgetgründen nicht sehr oft machen kann. Wie siehst Du das? Viele Grüße, Katrin

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      • ichmachesanders schreibt:

        Hallo Katrin!

        Deine Gründe kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich habe keine Kinder, deshalb denke ich sie nur sehr selten mit.

        Naja, es wird zukünftig (und ich hoffe, ich erleb das noch) ein anderes Wirtschaften brauchen. Wie das aussehen könnte? Keine Ahnung aber mir persönlich gefällt der Postwachstumsökonomie-Ansatz von Niko Paech sehr gut. Ich versuche gerade, mich dort hin zu bewegen. Wobei ich einige Aspekte (noch) nicht umsetzen kann.

        Etwas vereinfacht ausgedrückt (die Thematik an sich ist bestimmt hoch komplex, aber in meiner Welt sollte das funktionieren) könnten diverse Dienstleister von weniger KundInnen bzw. KundInnen, die weniger konsumieren trotzdem (über)leben, wenn ihre Leistung endlich wieder etwas wert ist. Mir kommt vor, dass jeder dem günstigsten Preis nach rennt – bei Produkten, aber auch Dienstleistungen – und das kann schlussendlich nur in einem Crash enden.
        Was meinst du? Wär das eine Möglichkeit, damit jeder von weniger (weniger Konsum = weniger Kunden => mehr Geld für die DL) trotzdem leben kann?

        LG Sabrina

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        • Brombeerhecke schreibt:

          Hallo Sabrina! Ich bin (auch) ein großer Fan von Nico Paech. Besonders interessant finde ich sein Modell, bei dem er vorschlägt, dass die momentan üblichen 40 h Lohnarbeit ersetzt werden durch 20 h Lohnarbeit und 20 h entmonetarisierte Arbeit. In diesen 20 h baut man wieder selbst Obst und Gemüse an, hält z. B. ein paar Hühner, repariert Sachen, stellt notwendige Dinge selbst her und tauscht. So erreicht man etwas mehr Unabhängigkeit von Geld. (Ich hoffe ich habe das richtig erklärt.) Bei so einer Lebensweise muss man nicht mehr so viel verdienen. Wenn zudem, wie du es beschreibst, Dienstleistungen und auch Waren wieder fairer bezahlt werden, könnte eine Postwachstumgesellschaft klappen, denke ich. Allerdings befürchte ich, dass die wenigsten Menschen sich so eine einfache Lebensweise momentan vorstellen können. Ich versuche gerade, mich in diesem Modell einzurichten. Hierzu habe ich auch einen Blogbeitrag geschrieben (Wie will ich leben – Ideen rund um Postwachstum und Degrowth). Ich komme momentan etwas schleppend voran mit meinen Visionen – als nächstes ist das Projekt „Gemüse anbauen auf dem Balkon“ dran und ich suche gerade einen 20 h Job mit kurzer Anfahrt. Gerade habe ich Deinen Jahresrückblick gelesen – da kann man ja nur gratuliere zu viel Elan und Erfolg!  LG Katrin

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          • ichmachesanders schreibt:

            Ja, du hast es richtig erklärt. Das ist auch der Teil von Paech, der mich am meisten fasziniert und bei dem ich glaube, mich am ehesten einer Postwachstumsökonomie annähern zu können. Versuche es seit August auch mit einem Teilzeitjob und wesentlich kürzerer Anfahrt als beim vorherigen Job. Wobei ich nun ab 2017 doch wieder auf 30 Wochenstunden bin, wegen dem blöden Geld. Mit 25 Stunden war es im letzten Jahr doch immer knapp, weil meine Selbstständigkeit mit den Nachhaltigkeitstouren noch nicht so gut angelaufen ist. Aber 30 Stunden sind immer noch weniger als 40 😉
            Ich habe trotzdem mehr Zeit für meine ganzen Herzensprojekte und das war mir wichtig.
            Und ja, ich gen dir recht, nicht viele Menschen können sich aktuell so eine Lebensweise vorstellen. Aber wir werden immer mehr. Und laut Weiter braucht es nur 3 bis 5 Prozent einer Gesellschaft, um einen Wandel in Gang zu setzen. Und unser einer werden immer mehr. Ich bin also optimistisch und lass mich nicht unter kriegen.

            Ich gehe meinen Weg nach besten Wissen und Gewissen weiter, stelle Projekte wieder zurück, wenn ich merke, dass es sich doch nicht ausgeht oder ich noch bessere Ideen hab, um noch mehr Menschen zu erreichen. Die kleinen Schritte zählen ebenso viel, wie die großen 😀

            Alles Liebe und dir weiterhin viel Erfolg!

            Sabrina

            Gefällt 1 Person

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