Die „reduzierte“ Weihnachtszeit – meine Erfahrungen

Was bleibt von Weihnachten übrig, wenn das Brimborium angefangen vom Baum, über die Geschenke bis zur Gans wegfällt? Erstaunlich viel! Hier berichte ich von unserer ersten „reduzierten“ Weihnachtszeit. 

Schon vor Jahren beschloss meine Familie, dass bei uns an Weihnachten nur noch die Kinder Päckchen bekommen. Auslöser war ein Weihnachtsfest, beim dem wir im Vorfeld auf der Suche nach Geschenken gestresst durch die Kaufhäuser hetzten. Das Ergebnis war ein Gabentisch voll unnötiger Verlegensheitgeschenken: drei Bodylotion für die Oma; Bücher für den Opa, die er nie gelesen hat; eine Hanfcreme für den Schwager, die seine Haut nicht vertrug; Armbänder mit Sammelanhängern für die Damen. Puh!

Dieses Jahr haben mein Mann und ich die Weihnachtstraditionen weiter reduziert und hatten (auch) dadurch den schönsten und intensivsten Advent seit langem.

Weihnachtsdekoration

Mein Advent war dieses Jahr geprägt von meiner Advent-Declutter-Aktion. Im Gegenzug wollte ich die Wohnung nicht mit Dekoartikeln zumüllen vollstellen. Ich sparte mir die Einkäufe von Zweigen, Kerzen und Kugeln. Stattdessen wurde meine kleine Tochter (vier Jahre) zur Deko-Beauftragten. Ich gab ihr unsere Kiste mit den bereits vorhandenen Weihnachtsutensilien und sie legte begeistert los. Ich bin beeindruckt vom Ergebnis! Die Highlights: das weihnachtliche Treppengeländer und der Stern am Fenster, dem ich auf keinen Fall die Zacke hochkleben darf, da er „müde“ ist. Geschluckt habe ich, als die Kleine anfing, unsere Balkontür mit Weihnachtsaufklebern zu tapezieren. Ich hoffe, ich bekomme die Dinger jemals wieder von der Scheibe.

img_20161218_164200Weihnachtsgeländer   

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Müder Stern

Oh (kein) Tannenbaum!

Ich mag Weihnachtsbäume sehr, vor allem den Tannenduft im Haus. Was mich aber jedes Jahr traurig stimmt, sind die entsorgten Bäume auf den Straßen nach dem Fest. Hier wird unsere Wegwerfgesellschaft so richtig deutlich. Deshalb probieren wir es dieses Jahr ohne Baum. Die Geschenke legen wir an Heilig Abend unter unser Weihnachtstreppengeländer (siehe oben). Da wir keinen Eigenen haben, freuen wir uns besonders, wenn wir draußen Weihnachtsbäume entdecken, und schauen uns diese genau an. Auf dem Schulhof, auf dem Weihnachtsmarkt, in der Kirche überall können sie bewundert werden. Das habe ich sonst gar nicht so bewusst wahrgenommen.

Halloween-Adventskalender

Das Befüllen des Adventskalenders fiel in die Konsumauszeit 2016. Um die Regeln nicht zu brechen, habe ich den Kalender mit den restlichen Süßigkeiten von Halloween befüllt und nur etwas Schokolade dazugekauft. „Das fällt meiner Kleinen doch nicht auf“, nahm ich an. Von wegen! „Mamaaaa, da sind Halloween-Gummibären in meinem Adventskalender!!!“ Ups! Entschuldige bitte mein liebes Kind! Das war keine gute Idee! Nächstes Jahr stecke ich wieder mehr Herzblut in den Adventskalender. 

Zeit statt Zeug

Meine Tochter bekommt am 24. drei Geschenke von ihrem Wunschzettel. Zwei davon habe ich gebraucht gekauft. Wichtig war mir hierbei, dass das Kuscheltier und das Barbiepferd mit Barbie wie neu aussehen. Ihr größter Wunsch ist zudem eine „Weihnachtsgitarre“. Erfreulicherweise haben wir noch das alte venezolanische Cuatro meines Mannes im Keller. Mit einer Schleife am Steg wird es zur ultimativen Weihnachtsklampfe. Sollte die Kleine unter Weihnachtsbaum „Mamaaaa, das ist keine Gitarre, das ist ein Cuatro!“ brüllen, melde ich sie zur Hochbegabtenprüfung an. 😉

Für meinen Neffen und meine Nichten gibt es heuer Zeit statt Zeug. Mit meiner Schwester habe ich beschlossen, anstelle des hundertsten Plastikspielzeugs Erlebnisse zu verschenken. Mit den Cousinchen waren wir bereits im Kino. Es gab „Die schönsten Weihnachten überhaupt mit Pettersson und Findus“ und jede Menge Popcorn. Die Kleinen fanden es super!

Das schönste Fazit für mich in dieser reduzierten Weihnachtszeit:
Anstatt alleine gestresst in den Kaufhäusern nach Geschenken zu suchen oder Zeit vor den Onlineshops zu verbringen, genieße ich die Zeit mit lieben Menschen. Wir singen Weihnachtslieder, basteln, spielen, trinken Glühwein, hören Adventskonzerte an und fahren Schlittschuh auf dem Weihnachtsmarkt. So schön war der Advent für mich noch nie!

Schlittschuh fahren am Roten Rathaus. Die beiden Mädels mit dem Kind in der Mitte, das bin ich mit meiner lieben Freundin und der Kleinen. 

In meiner Twitter Timeline lese ich zurzeit häufig Tweets wie: „Kinder endlich im Bett. Jetzt habe ich noch die ganze Nacht, um Geschenke zu besorgen.“ Schade, dass wir uns sogar in den Weihnachtsferien so stressen. Hierzu passend las ich letztes Jahr folgende Tipps für die Weihnachtsbescherung: Um Kindern gerecht zu werden, sollen unter dem Baum mehrere Geschenke vom Wunschzettel liegen; ein Geschenk, mit dem das Kind gleich am Heilig Abend spielen kann sowie ein Geschenk, das im Trend liegt, sodass das Kind in Kita oder Schule mitreden kann. Ach du meine Güte – wer kommt auf so was? Ich glaube Kinder würden von selbst nie eine derartige Erwartungshaltung aufbauen. Ich denke, es sind die Erwachsenen, die so etwas fördern und dann in Stress geraten, wenn sie die Erwartungen erfüllen müssen. Wieso freuen wir uns nicht einfach auf die gemeinsame Weihnachtszeit und als Add-on gibt es noch ein kleines Geschenk? Und sollte es langweilig werden am Heilig Abend, weil man mit diesem Geschenk nicht sofort spielen kann, dann spielen wir halt Topfschlagen oder Karten!

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Was mir sonst noch aufgefallen ist

Veganen Plätzchen schmecke so lecker wie die „normalen“.

Ich freue mich auf unser vegetarisches Raclette an Weihnachten genauso wie letztes Jahr auf die Gans. Das Racletteset kommt übrigens von unserer Leihgemeinschaft!

Kirchenaustritt hin oder her, und ob ich nun glaube, dass Jesus Gottes Sohn war oder auch nicht – auf jeden Fall war Jesus ein sehr cooler Typ. Seine revolutionären Ideen sind so aktuell wie nie zuvor. Hier nur zwei Beispiele:

  • Matthäus 2,1 ff „Die Arbeiter im Weinberg“ – das Gleichnis erinnert mich an das Bedingungslose Grundeinkommen. Jedem soll bedingungslos das Überleben und die Teilhaben an der Gemeinschaft ermöglicht werden.
  • Markus 6,30 ff „Jesus gibt fünftausend Menschen zu essen“ – diese Geschichte verstehe ich erst, seit ich Foodsharing kenne. Wir leben in einem solchen Überfluss, es reicht für alle. Es muss nur gerecht verteilt werden. Im Sommer haben wir beispielsweise auf dem Tempelhofer Flugfeld für über tausend Menschen Essen zubereitet allein mit Zutaten, die vor der Tonne gerettet wurden.

In diesem Sinne wünsche ich Dir einen tollen restlichen Advent! Am Donnerstag melde ich mich noch einmal, bevor ich dann Blogferien mache!

6 Gedanken zu “Die „reduzierte“ Weihnachtszeit – meine Erfahrungen

  1. aurelia schreibt:

    Hallo Katrin,
    was für ein schöner Bericht 😊
    es freut mich immer das es doch Menschen gibt die dem Konsumrummel den
    Rücken kehren.
    Wie bei dir gibt es bei uns auch schon seit Jahren keine Geschenke mehr für alle sondern nur
    noch für meine Töchter. Ja und der echte Baum stand bei uns zuletzt, lass mich überlegen, wohl
    vor mehr als 20 Jahren. Damals hatte ich schon das Gefühl es ist nicht richtig jedes Jahr einen Baum
    für wenige Tage in die Wohnung zu holen und dann wegzuschmeißen. Also habe ich einen Kunststoffbaum gekauft, der heute noch lebt und wo ich mittlerweile nur noch den oberen Teil in eine
    Vase stecke und schmücke, weil mein großes Kind ein riesen Weihnachtsfan ist und ohne Baum will
    sie nicht kommen 😆 Ja und als Mama aufs Kind an Weihnachten verzichten geht ja auch nicht *schmunzel.. Gibt es halt das Minibäumchen und Kind ist zufrieden, auf Adventdeko in der Wohnung
    verzichte ich allerdings seit sie ausgezogen ist, da lass ich auch nicht mit mir verhandeln 😬 ich hab da keine Lust mehr drauf also bleibt die Deko weg. Ein bissel böse Mama bin ich dann ja doch *lach..

    Ich wünsche euch weiter eine entspannte Zeit
    liebe Grüße
    Aurelia

    Gefällt 1 Person

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