Selbstoptimierung: Wie gut sind gute Vorsätze wirklich?

Gestern suchte ich wieder nach Gegenständen, die ich bei meiner Advent-Declutter-Aktion aussortieren will. Dabei kam mir der Gedanke, wie praktisch es wäre, wenn man ungeliebte persönliche Denkmuster und Verhaltensweisen so einfach loswerden könnte, wie einen ungetragenen Pullover im Schrank. Brain-Declutter sozusagen! Sofort entstand vor meinem inneren Auge eine lange Liste meiner Eigenarten, Macken und Schwächen, die ich zuerst ausmisten würde. Die Leidenschaft für süßes fettes Essen, den Schlechte-Laune-Modus, die Heulattacken, wenn ein Kinderchor singt (frag nicht – ich habe keine Ahnung, woher das kommt), meinen faulen Sportschweinehund. Meine Feinfühligkeit würde ich gegen ein dickes Fell eintauschen. Den Zinken gegen eine Stupsnase … Beim Hin- und Herdenken wurde mir plötzlich mulmig. Wer wäre ich nach so einer Brain-Declutter-Aktion? Eine Fremde. Auf jeden Fall nicht mehr ich selbst. Wie schrecklich!

Wenn ich alles erreicht hätte, was ich mir in jungen Jahren bis heute an Selbstoptimierung vorgenommen hätte, wäre ich wohl …

… ein untergewichtiger Yogazombie auf Green Smoothie …
… eine dauerlächelnde Supermom, die ihre Tochter höchstpersönlich mit musikalischer Früherziehung quält …
… die Mutter Theresa der Herzen …
… der Traum aller schlaflosen Männer …
… eine erleuchtete Astralreisende (ja auch das) …
… und mindestens ein total gestresster Weltstar on Tour …

Puh, wie anstrengend! Bei diesem Gedankenspiel ist mir bewusst geworden, dass ich am liebsten ich selber bleiben möchte. Unabhängig davon, wo gerade die Messlatten unserer Gesellschaft hängen. Egal ob extrovertiert oder introvertiert hoch angesehen ist, dick oder dünn. Ob Ellenbogeneinsatz anerkannt wird oder Teamgeister gefragt sind. Ob es als gesund gilt, schon „vor dem Aufwachen“ drei Liter Wasser zu trinken, frühmorgens nüchtern im Kiez herum zu joggen oder sich ausschließlich von rohem Grünfutter zu ernähren. Denn wer kann mir garantieren, dass alle Schwarmziele (gibt es dieses Wort?) gut für mich sind? Keiner! Also bleibe ich lieber der neurotische Süßigkeitenjunkie mit liebenswerten Ticks und großen Visionen, der ich bin.

Oder doch nicht?

Zumindest denke ich, ist es absolut ratsam, Selbstoptimierungstrends genau zu hinterfragen, bevor ich mich damit quäle. Hierzu habe ich einen Fragenkatalog zusammengestellt. Diesen möchte ich beantworten, bevor ich das nächste Optimierungsprojekt starte. Mit zwei meiner typischen Beispiele habe ich dies bereits getan: Mehr Yoga und Weniger Süßigkeiten

Mein Fragenkatalog: Selbstoptimierung YES oder NO

Vorbereitung – Will ich mich überhaupt ändern?

  1. Welches Denkmuster / welche Verhaltensweise möchte ich ändern?
    Zurzeit mache ich nur selten Yoga. Ich möchte regelmäßiger, am liebsten 5-mal pro Woche Yoga üben.
    Ich esse viele Süßigkeiten über den Tag verteilt. Meine Idee: Nur noch am Wochenende Süßkram essen.
  2. Warum möchte ich mich ändern? Welche Nachteile entstehen durch das Denkmuster oder die Verhaltensweise für mich oder für andere?
    Ich bekomme Nacken- und Schulterschmerzen, wenn ich mich zu wenig bewege. Ich werde steif und unfit.
    Ich möchte eigentlich weiterhin täglich Süßigkeiten essen. Ich liebe Süßigkeiten, aber folgende Nachteile ergeben sich: Die Süßigkeiten verdrängen nährstoffreiche Lebensmittel aus meinem Speiseplan. Zudem möchte ich vermeiden, dass meine Klamotten zu eng werden. 

  3. Gibt es auch Vorteile, die das Denkmuster oder die Verhaltensweise mit sich bringen? Möchte ich diese aufgeben? 
    Wenn ich selten Yoga mache, habe ich mehr Zeit für andere Hobbys. Serien schauen, Bloggen, mit meiner Tochter spielen. Ich kann morgens länger schlafen. (Oha – hier merke ich bereits, 5-mal Yoga pro Woche ist unrealistisch. Ich will das nicht.)
    Ich genieße Süßigkeiten. Naschen entspannt mich. Fazit: Süßigkeiten erhöhen gefühlt meine Lebensqualität enorm.
  4. Kann ich die in 3. genannten Vorteile auch anders erreichen?
    Nein. Mir fällt momentan nicht ein, wo ich noch Zeit einsparen könnte. 
    Ich müsste lernen, mich anders zu entspannen und meine Pausen anders zu füllen. Ich könnte meine Geschmacksnerven an weniger Zucker gewöhnen.
  5. Welche Ursache hat meine Verhaltensweise oder Denkmuster? Muss ich erst eine Ursache beheben, bevor Veränderung stattfinden kann?
    Natürliche Trägheit? Ich habe neben Yoga noch viele andere Interessen, denen ich ebenfalls nachgehen will. Ich möchte lieber Zeit mit meiner Familie verbringen als Yoga zu üben oder fühle mich schlapp und müde. Das möchte ich nicht ändern.
    Die Fragestellung überfordert mich.
  6. Kommt der Wunsch zu Veränderung aus mir heraus oder ist es eine Anforderung von außen?
    Teils teils. Ich persönlich möchte mit Yoga fit, stark, flexibel und gesund bleiben. Es geht mir dann besser. Von außen kommt der Druck, dass sportliche Körper als schöner gelten. 
    Teils teils. Ich will gesund und fit sein und meinen Körper mit guten Nahrungsmitteln versorgen. Von außen: Schlank sein, gilt als schöner.
  7. Will ich mich immer noch ändern?
    Ja, aber ich passe die Zielsetzung an: 3-mal Yoga/Woche ist realistischer.
    Nein nicht wirklich. Vor allem jetzt im Advent möchte ich mich nicht auf Naschdiät setzen. Meine innere Abwehr ist noch zu hoch. Es macht keinen Sinn, in diese Verhaltensänderung momentan Energie zu stecken. 

Zieldefinition

  1. Was ist mein konkretes Ziel?
    3-mal Yoga pro Woche, jeweils mindestens 45 Min.
  2. Ist die Umsetzung meines Zieles realistisch im Hinblick auf mein Budget an Zeit und Energie sowie passend zu meinem Alltag, zu meinen Fähigkeiten/ Bedürfnissen?
    Ja.
  3. Falls nein, wie muss ich die Zielsetzung anpassen, dass sie realistisch wird?

Na dann – rauf auf die Yogamatte und hinterher erst mal an die Keksdosen!

Hast Du auch Lust, eine Selbstoptimierungsidee auf Herz und Niere zu prüfen? Hier findest du den brombeerhecke_fragenkatalog_selbstoptimierung mit Platz für eigene Notizen.

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