Job kündigen & Auszeit nehmen – Meine Erfahrungen Zwischenstatus

Seit meinem letzten Erfahrungsbericht zu den Themen „Job kündigen“ und „Auszeit nehmen“ sind schon wieder einige Wochen vergangen. Meine Laune war an diesem Tag eher im Keller. In der letzten Zeit habe ich mir erneut viele Gedanken zu meiner Auszeit gemacht, die ich gerne mit Dir teile.

Vor Kurzem ist mir auf Facebook dieses Bild von spiegeldich.net begegnet:

https://www.facebook.com/plugins/post.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2FKatrin.Brombeerhecke.Blog%2Fposts%2F166724643795271&width=500

(Wow. Ein Endloslink. Die Funktion „Einbetten“ habe ich mir anders vorgestellt …)

Ich versuche es mit einer Bildbeschreibung: Das Bild zeigt einen Mann in der Wildnis. Er sitzt, nur begleitet von seinem Hund, vor einem Lagerfeuer. Die Bildüberschrift lautet:

„Sie haben eine Lücke in ihrem Lebenslauf …“
„Ja war geil!“

Super! 🙂

Die Lücke im Lebenslauf

Dieser knackige Dialog zeigt einen offensiven, selbstbewussten Umgang mit dem Thema Auszeit in Bewerbungsgesprächen. Dieser Bewerber rechtfertigt sich nicht für seine Lücke im Lebenslauf. Im Gegenteil! Er steht zur Auszeit in seiner beruflichen Laufbahn. Er betont, dass er eine tolle Zeit hatte. Ich finde das mutig, authentisch und frisch. Teilweise lese ich, dass eine Auszeit gut begründet werden müsse. Dass es wichtig sei, sie so darzustellen, dass es eher nach „Weiterbildungsmaßnahme“ aussieht. Wahrscheinlich hängt das stark von den Personen ab, die ein Bewerbungsgespräch führen. Ich selbst durfte in den letzten Jahren mehrmals bei der Auswahl neuer Teammitglieder teilnehmen. Dabei haben mich immer Bewerber beeindruckt, die einen eher unkonventionellen Weg gehen und dazu stehen. Die den Mut haben, gängige Ansichten infrage zu stellen und keine Mitläufer sind. Ich schließe daraus, dass diese Bewerber ehrliche, offene Kollegen sind, die neue Ideen in den Büroalltag bringen. Dies macht sie, meiner Meinung nach, zu wertvollen Teammitgliedern.

Hierzu noch ein schönes Beispiel: Ein Bewerber in meiner ehemaligen Agentur befand sich gerade in einer Auszeit. Er berichtete, dass er gekündigt hatte, da sein letzter Job nicht mit seiner Rolle als alleinerziehender Vater zu vereinbaren war. Ein Einstellungskiller? Nein! Er wurde eingestellt. Durch seine kompetente, souveräne und selbstbewusste Art hatte er uns überzeugt – wahrscheinlich auch, weil er durch seine Auszeit Mut bewiesen hat.

Leistungsdruck in der Auszeit

Zurück zum Bild. Sehr interessant finde ich das Motiv: Der Abenteuerurlauber in der Wildnis. Geht es um Auszeit, denken viele automatisch an weite Reisen. Ich werde zudem oft gefragt, ob ich umschule, mich fortbilde, mich selbstständig mache, ein kleines Kind habe oder ehrenamtlich tätig bin. Der „Leistungsdruck“ und bestimmte Erwartungen folgen mir sozusagen in die Auszeit. Unter einer Asienreise, einer Yogalehrerausbildung, Auszeit im Kloster oder dem ehrenamtlichen Vollzeiteinsatz läuft es nicht. Einfach mal nichts machen, gilt nicht. ZEIT MUSS SINNVOLL GENUTZT WERDEN! Superspannend finde ich in diesem Zusammenhang den Artikel von der Zeit zum Thema Religion und Arbeitsfetisch.

Gott will keine faulen Müßiggänger haben, sondern man soll treulich und fleißig arbeiten, ein jeglicher nach seinem Beruf und Amt, so will er den Segen und das Gedeihen dazu geben“, behauptete Luther. Während Jesus noch ein glücklicher Arbeitsloser war, wurden Faulheit und Zeitvergeudung spätestens jetzt zur Todsünde – und sind es bis heute.

Ich persönlich denke ja, es wäre von Vorteil, wenn mehr Menschen einfach mal nichts tun würden! Nichts produzieren, nichts vermarkten, nichts abholzen, nichts zumüllen, nichts konsumieren. Mehr entspannen, mehr Auszeit nehmen – das würde unserer Umwelt sicherlich sehr gut tun!

Einfach mal nichts machen – gar nicht so einfach

Nun wird „nichts machen“ aber auch sehr schnell langweilig. Mir jedenfalls. Ich habe einen inneren Druck in mir, der dafür sorgt, dass ich immer herumwusele. Als ich gearbeitet habe, hatte ich so eine Sehnsucht danach, einfach nur auf dem Sofa zu liegen und zu lesen. Ich könnte das jetzt täglich machen. Ich tue es aber nicht. Es stellt sich bei mir sofort ein schlechtes Gewissen ein, weil ich „was Sinnvolles“ machen könnte. Ich habe den gesellschaftlichen Arbeitsfetisch sozusagen total verinnerlicht. Vor allem seit es kälter draußen ist, und ich nicht mehr am See abhängen kann, halte ich mich in einem „künstlichen Arbeits-/Büromodus“. Ein für mich typischer Auszeittag sieht seit Herbst so aus:

  • 6:30 Uhr aufstehen
  • 6:45 Uhr Morgenroutine mit Kind
  • 8:00 Uhr Kind in die Kita bringen
  • 9:00 Uhr To-do-Liste abarbeiten
  • 10:00 Uhr Blogbeiträge schreiben, Social Media, Kommentare beantworten
  • 12:00 Uhr Mittagessen (im Stehen vor dem Kühlschrank, alleine essen ist doof)
  • 12:15 Uhr Foodsaven, Einkaufen oder Sachen erledigen
  • 14:00 Uhr Aktionen zur beruflichen Neuorientierung, z. B. Telefonate, schriftliche Bewerbungen
  • 16:00 Uhr Kind von der Kita abholen
  • 16:15 Uhr Spielen, Basteln, Singen
  • 18:00 Uhr Abendroutine

So ähnlich war mein Tag mit Job auch. Natürlich habe ich die Freiheit, täglich aus dieser Routine auszubrechen, um beispielsweise auf eine Veranstaltung zu gehen. Aber ich tue das viel zu selten, fällt mir gerade auf. (Ich sag es ja, ich betreibe hier therapeutisches Schreiben …) Das Bild, das mir dazu spontan einfällt:

bird-730478_1280Bildquelle: pixabay.com. Alexas_Fotos.

Na gut. Der Vogel, der trotz offenem Käfig, nicht in die Freiheit fliegt, ist jetzt vielleicht etwas zu depressiv gewählt für meinen Winter 2016. Aber auf jeden Fall bestätige ich die These, dass Menschen eine sinnvolle Beschäftigung brauchen und viele einen geregelten Tagesablauf lieben. Mit meiner Sehnsucht nach Beschäftigung bin ich in guter Gesellschaft, wie die Erfahrung vom Team Mein Grundeinkommen zeigt. Das Team verlost jeden Monat ein Grundeinkommen von 1.000 € monatlich für ein Jahr. Die meisten Gewinner hängen mit diesem Geld nicht einfach ab, sondern machen sich selbstständig, schulen um oder suchen eine als sinnvoll empfundene Betätigung. Ob das an einer menschlichen Veranlagung liegt? An der gesellschaftlichen Erwartungshaltung? Oder doch hauptsächlich daran, dass die Geldquelle nach einem Jahr wieder versiegen wird und die Gewinner andere Einnahmequellen finden müssen? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich kommt alles zusammen. Ich glaube auf jeden Fall, dass jeder Mensch glücklicher ist, wenn er sich positiv in die Gesellschaft einbringen kann.

Meine Auszeit – was ich bisher gemacht habe

Für mich zur Erinnerung und für alle, die es interessiert – so sah meine Auszeit bisher aus:

Woche 1:

  • Sieben Tage auf dem Sofa. Youtube-Videos nonstop. Dabei die Themen Postwachstumsgesellschaft, degrowth, bewusster Konsum und DIY für mich entdeckt.

Festivals Frühjahr bis Herbst 2016:

  • Bhakti Yoga Summer
  • Yoga Summer Splash
  • Foodsharing Festvial
  • Utopikon

Sommer 2016:

  • Fast täglich draußen und am See. Gefühlt der längste Sommer meines Lebens 🙂
  • Meine Tochter bespaßt, bis diese genervt war und wieder zu ihren Freunden in die Kita wollte
  • Kleinunternehmerin geworden: Wie wild getextet auf content.de und textbroker.de. Mit einem Stundenlohn von 2-3 € nach einiger Zeit entnervt aufgegeben
  • Foodsaverin bei foodsharing.de geworden

Herbst 2016:

  • Reise nach Korfu
  • Brombeerhecke Blog gestartet, Social Media entdeckt und seither abhängig

Winter 2016:

  • Leihgemeinschaft in meiner Nachbarschaft gegründet
  • Food Assembly-Mitglied geworden
  • Erste Gespräche mit potentiellen Partnern und Kunden für freiberufliche Aufträge geführt

Meine Auszeit hatte bisher vor allem einen riesigen Vorteil: Ich bin wieder entspannt und habe den Kopf frei für Neues und Spannendes in meiner Umgebung. Ich bin raus aus dem Hamsterrad und entwickle bewusst eine Vision für meine Zukunft. Somit ist diese Auszeit eine der besten Entscheidungen in meinem Leben. Es ist übrigens meine Zweite. In meiner ersten Lebenslauflücke habe ich tatsächlich die berühmte Yogalehrerausbildung gemacht. 😉

Bis bald, Katrin

Machst Du denn mit bei meiner Advent-Declutter-Aktion, die heute startet? Dann geht es jetzt hier lang!

6 Gedanken zu “Job kündigen & Auszeit nehmen – Meine Erfahrungen Zwischenstatus

  1. Happy Kalorie schreibt:

    Ein toller Artikel, der mir aus der Seele spricht. Auch ich bin bewusst aus dem Hamsterrad (vor fast einem Jahr) ausgebrochen. Ich wollte vieles entspannt angehen, finde mich jedoch täglich im Arbeitsmodus wieder. Das Jobcenter drängte mich zur Selbstständigkeit. Eine Neuorientierung gehe nicht. Mittlerweile setze ich mich selbst unter Druck, weil meine finanzielle Sicherheit in acht Wochen ausläuft. Es ist tatsächlich sehr schwer nichts zu tun. Schon allein weil man das Gefühl hat, sich dafür rechtfertigen zu müssen. Einerseits möchte man auf sein Herz hören und sein Ding autark machen, anderseits werden einem staatliche Steine in den Weg gelegt. Ich falle gern aus der üblichen Reihe. Ein Mitläufer war ich noch nie. 😉
    Dir eine tolle und kreative Zeit.
    Viele Schneeflockengrüße
    Michaela

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    • Brombeerhecke schreibt:

      Hallo Michaela, das ist ein ungeheurer Druck, wenn man weiß, dass die finanzielle Sicherheit bald ausläuft. Hattest Du den Grundungszuschuss erhalten? Ich wünsche Dir auf jeden Fall sehr viel Erfolg mit Deinem Präventionsprojekt! Du hattest ja einen erfolgreichen Vortrag neulich, habe ich gelesen. Viele Liebe Grüße und danke für Dein Feedback, Katrin

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      • Happy Kalorie schreibt:

        Hallo Katrin,
        den Gründerzuschuss habe ich erhalten, der erste Teil läuft allerdings im Januar aus.
        Danke für dein Daumendrücken. 😉 Wo ein Wille, da ein Weg. 🙂 Das hat sich allein schon durch den Vortrag im Klinikum bewiesen. 😉
        Viele Grüße und gutes Gelingen für deine anstehenden Projekte
        Michaela

        Gefällt 1 Person

  2. David schreibt:

    Dass Menschen ohne Lohnarbeit in einer „Hängematte“ liegen ist ein Mythos aus den Bertelsmann- & Springer-Medien. Unsere Arbeit soll dem herrschenden System nach dem Produktions- und Geldkreislauf dienen. Persönliche (und manchmal gesellschaftliche) Sinnhaftigkeit steht nicht im Fokus. Der Gedanke dahinter: Starke Industrie & Banken = Brot für den Bürger. Ich bin mir jedoch ziemlich sicher, dass wir es verdienen und es uns leisten können selbstbestimmter zu leben. Vielleicht nicht jeder Pionier, der jetzt den Kopf hinhält. Aber langfristig sollten wir Arbeit und Zwang voneinander entkoppeln und dieses automatisierte, unmenschliche System überwinden.

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    • Brombeerhecke schreibt:

      Hallo Michael, kennst Du mein-grundeinkommen.de? Das Team setzt sich für ein bedingungsloses Grundeinkommen ein und verlost regelmäßig ein Grundeinkommen von 1000 Euro monatlich für ein Jahr (Crowdfunding). Liebe Grüße, Katrin

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