Minimalismus im Inneren – meine persönliche Guideline für mehr Klarheit

Minimalismus im Inneren. Gestern Nacht lag ich lange wach. Ich habe darüber nachgedacht, wie ich es schaffen kann, meine Ziele zu erreichen und nicht in alte Muster zurück zu fallen. Irgendwann schlief ich beruhigt ein. Ich habe das Gefühl mit meiner persönlichen Guideline für innere Klarheit, nicht so schnell von meinem Weg abzukommen.

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Minimalismus und Klarheit im Inneren

Folgende Gedanken mache ich mir aktuell zum Thema Minimalismus und Klarheit im Inneren.

Äußere Fassade minimalisieren

Eine meiner wichtigsten und anstrengendsten Entwicklungen in den letzten Jahren war das „Minimalisieren meiner äußeren Fassade“.

Früher war ich eine Meisterin darin, meine wahren Gedanken und Gefühle zu verbergen. Bei Begegnungen mit anderen Menschen versuchte ich, schnell zu erfassen, was mein Gegenüber von mir wollte und handelte danach. Mit diesem in der Kindheit antrainierten Verhalten wollte ich Ablehnung, Kritik und Streit vermeiden. Ich fühlte mich jeglicher Disharmonie nicht gewachsen.

Auf diese Weise hatte ich ständig „Freunde“ und Bekannte, die mir eigentlich lästig waren. Ich konnte vor diesen Menschen nicht zugeben, dass ich kein Interesse an der Beziehung hatte. So führte ich beispielsweise stundenlange Telefonate, die mich nicht interessierten. Ich traute mich ebenfalls nicht, jemandem eine Bitte abzuschlagen oder jemanden zu kritisieren. Kopfschüttelnd denke ich auch an mein erstes Bewerbungsgespräch für einen Job bei einem Kaffeevollautomaten-Hersteller zurück. Obwohl ich bis zu dieser Bewerbung nicht einmal Kaffee trank, verkaufte ich mich als passionierte Kaffeeliebhaberin und bekam die Stelle. Warum? Ich hatte riesige Angst davor, arbeitslos zu sein.

Heute kann ich das alles nicht mehr nachvollziehen.  Aber ich habe Jahre gebraucht, um mir diese „Überlebensstrategie“ abzutrainieren. Inzwischen habe ich eine 180-Grad-Wendung gemacht. Es ist mir fast unmöglich, mit meinen Gedanken und Gefühle hinterm Berg zu halten. Ich gebe meiner Familie, Freunden, Bekannten und Kollegen ehrliches Feedback, spreche Bewunderung und Ablehnung aus, berichte von Gefühlen und Gedanken und sage deutlich was ich will und was nicht. Fassaden-Minimalisierung nenne ich das.

Der Nachteil: Ich muss hin und wieder Streit und schlechte Stimmung aushalten.
Der Vorteil: Ich kann mich auf meine Ziele und Bedürfnisse fokussieren und ziehe die Leute, Aufgaben und Themen an, die wirklich zu mir passen. Das macht mich glücklich.

Vor nicht all zu langer Zeit hatte ich Gedanken wie: „Wo kommen wir denn hin, wenn jeder seine Launen auslebt und macht, was er will!!“ Inzwischen denke ich, dass unsere Welt sehr viel friedlicher wäre, wenn sich jeder gut um sich selbst kümmert und nicht hinter einer freundlichen Fassade, Wut, Angst und Trauer brodeln lässt. Je mehr ich mit mir selbst im Reinen bin, umso offener bin ich auch für die Bedürfnisse anderer.

Menschen, die immer freundlich zu mir sind, zu allem ja sagen und mich nie kritisieren, sind mir inzwischen manchmal suspekt. Ich gehe dann davon aus, dass sie mir nicht ehrlich begegnen. Lieber bin ich mit Menschen zusammen, die mir ihre Bedürfnisse offen mitteilen und ehrliches Feedback geben.

Beziehungen und Freundschaften minimalisieren

Durch meine „Fassaden-Minimalisierung“ hat sich mein Bekanntenkreis von selbst minimalisiert. Als ich aufhörte, Interesse zu heucheln und meine kritische Meinung zurückzuhalten, haben sich Menschen von mir abgewandt. Als ich einem Freund beispielsweise mitteilte, dass mir seine täglichen Anrufe zu viel waren, brach er den Kontakt ab. Als ich zugeben konnte, dass ich inzwischen lieber mit einem Buch auf dem Sofa liege, als in Elektroklubs zu tanzen, brach ein großer „Party-Freundeskreis“ weg. Zuerst war ich jeweils schockiert und dann einfach befreit und erleichtert.

Andere Freundschaften hingegen sind intensiver und enger geworden. Mit meinen guten Freundinnen tausche ich mich intensiv aus, diskutiere offen über Meinungsverschiedenheiten und zeige meine Gefühle. Darüber bin ich sehr dankbar! Interessant ist, dass ich zwar viele Gemeinsamkeiten mit meinen Freundinnen habe, wir teilweise aber grundverschieden sind. Meine liebste Freundin vor Ort träumt von Weltreisen und einem Porsche. Ich habe mir vorgenommen nie mehr zu fliegen und bin auf das Radfahren umgestiegen. Darüber können wir diskutieren und lachen. Meine beste Freundin aus Schulzeiten lebt ihr Familienglück mit vielen Kindern. Ich schiebe eine ruhige Kugel mit meinem Einzelkind. Gerade die Unterschiede machen diese Freundschaften spannend.

Sich auf ein Ziel fokussieren und Optionen minimalisieren

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Aktuell arbeite ich auf eine große Zielvision hin. Diese habe ich in meinem Blogbeitrag Wie will ich leben? beschrieben. Demnächst möchte ich meine Ziele auch in einem Vision Board, also in einer Zielcollage, festhalten. (Das ist gar nicht einfach, wenn alle Zeitschriftenabos gekündigt und alte Zeitschriften mit schönen Bildern ausgemistet sind.;-))

Mit der ausformulierten oder visualisierten Zielvision vor Augen, kann ich mich besser fokussieren. Ein- bis dreimal täglich versuche ich innezuhalten, um zu prüfen, ob mein Handeln mich meiner Zielvision näher bringt oder nicht. Morgens plane ich so meinen Tag und abends ziehe ich Resumee. Was hat das mit Minimalismus zu tun? Mir werden meine Entscheidungen erheblich erleichtert, weil sich die Optionen verringern.

Wenn es mein Ziel ist, Teilzeit zu arbeiten, kann ich die Jobbörse schneller durchforsten. Ich will Zeit für einen eigenen Garten haben, also filtere ich die Stellenanzeigen der 24-Stunden-Agenturen von vorneherein aus.

Es ist keine Option, mich wegen Weihnachtsdekoration zu stressen. Mein Ziel ist eine leere Wohnung mit viel Freiraum.

Meine Einkaufsmöglichkeiten minimalisieren sich, wenn ich eine nachhaltige Landwirtschaft unterstützen will.

Mir kann egal sein, was diesen Winter modisch im Trend liegt. Ich kaufe nichts. Mein Ziel ist der übersichtliche Kleiderschrank.

Ich brauche nicht darüber nachzudenken, ob ich regelmäßig Sport mache oder nicht. Mein Ziel ist es, im Alter gesund und selbstständig leben zu können. Also rauf auf die Gymnastikmatte.

Natürlich passiert es, dass ich durchhänge, kein Yoga mache, im Discounter lande oder aus Existenzangst anfange, eine Bewerbung für einen 40-Stunden-Job zu tippen. Aber mit Blick auf meine Zielvision korrigiere ich mich schnell. So komme ich meinem Ziel Schritt für Schritt näher.

Perfektionismus minimalisieren, wenigstens in der Freizeit

Da ich sehr viele Interessen habe, habe ich eine riesige Ladung an Hobbys. Klavier spielen, Gitarre üben, Nähen, Lesen, Bloggen, Wandern, Yoga. Manchmal gerate ich dadurch regelrecht in Freizeitstress. Zuerst dachte ich, dass es wichtig für mich ist, mich auf ein bis zwei Hobbys zu fokussieren. Stattdessen habe ich nun meinen Perfektionismus minimalisiert. In meiner Freizeit wechsel ich meine Hobbys nach Lust und Laune ab. Mal übe ich Klavierstücke, mal nähe ich Kinderkleidung und wochenlang lese ich nur. Ich akzeptiere, dass ich aufgrund dieser Sprunghaftigkeit in keinem Hobby Perfektion erreichen werde. Ich klampfe auf der Gitarre, bolze mit der Nähmaschine durch den Stoff und wackle im Yoga-Kopfstand hin und her, bis ich umfalle. Aber das macht nichts, solange ich meine Freizeit in ihrer Vielfalt genießen kann.

Soweit zu meinen Gedanken und Ideen. Hast Du Erfahrung gesammelt mit Minimalismus im Inneren? Hast Du eine gute Strategie, um Sorgen oder Blockaden zu minimalisieren? Wie verfolgst Du Deine Ziele? Schreibe es mir gerne oder verlinke Deinen passenden Blogbeitrag in den Kommentaren.

Schau mal hier – weitere Inhalte zum Thema:

Innerer und äußerer Minimalismu – womit beginne ich?

Aussortieren – was kommt danach?

 

 

2 Gedanken zu “Minimalismus im Inneren – meine persönliche Guideline für mehr Klarheit

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