Dinge ausleihen – Wie Du eine Leihgemeinschaft in der Nachbarschaft starten kannst

⇒ Den neuesten Beitrag zur Leihgemeinschaft in der Nachbarschaft findest Du hier

Nach einem aufregenden Utopikon-Wochenende sitze ich wieder zu Hause am Küchentisch. Auf der Utopie-Ökonomie-Konferenz organisiert von Living Utopia besuchte ich spannende Workshops und Vorträgen zu den Themen Commons, Zeitwohlstand, Postwachstumsgesellschaft und degrowth.

Wie immer nach solchen Veranstaltungen fühle ich mich aufgekratzt, überwältigt bis überfordert und riesig motiviert, umweltfreundlicher und solidarischer zu leben. Hierzu habe ich eine neue Vision, die auch sehr gut zur #Konsumauszeit 2016 passt: Ich möchte in unserer Nachbarschaft eine kleine „Leihgemeinschaft“ starten. 

Leihladen Leila Berlin – ein inspirierender Workshop

Auf diese Idee kam ich im Workshop von Leila, dem ersten Leihladen in Berlin. Mit dem Gründer Nikolai erarbeiteten wir in einer kleinen Gruppe die Vorteile des Leihens. Uns wurde klar, wie einfach es ist, einen Leihladen oder eine Leihgemeinschaft zu gründen.

Was ist eine Leihgemeinschaft?

20161107_104128

Es ist ganz einfach: Die meisten von uns besitzen viele Geräte und Gegenstände, die sie selten nutzen. Ich denke an Waffeleisen, Rasenmäher, Kinderreisebetten oder Fondü-Sets. Diese liegen im Regal oder Keller herum. Im schlechtesten Fall enden sie als Staubfänger oder auf dem Schrottplatz. In einer Leihgemeinschaft werden all diese Dinge an andere ausgeliehen und kommen so regelmäßig zum Einsatz. Ich verleihe beispielsweise an einen Nachbarn für ein Sonntagsfrühstück mein arbeitsloses Waffeleisen. Dafür brauche ich mir keine Bohrmaschine zu kaufen, wenn ich ein Bild aufhängen will. Denn dieses Gerät kann ich mir ausleihen.

Leihen statt kaufen – Was sind die Vorteile

Leila beschreibt folgende Vorteile, die das Teilen von Dingen mit sich bringt.

  1. Leihen reduziert die Produktion unnötiger Dinge und vermeidet Müll (vor allem Elektroschrott). So schonen wir unseren Lebensraum.
  2. Leihen spart Geld. Du musst nicht alle Gegenstände kaufen, die Du nutzen willst, sondern kannst sie wie in einer Bücherei ausleihen.
  3. Teilen macht glücklich, sagt eine Studie der Uni Bonn.
  4. Leihen macht frei und flexibel. Du musst weniger Gegenstände in Deinem Zuhause verwalten.
  5. Leihen fördert die Beziehungen zu anderen Menschen und kann die Gemeinschaft stärken.

Quelle: http://leila-berlin.de/so-gehts/5-vorteile/

Leihen in der Nachbarschaft – mein Plan

In unserer Nachbarschaft kennen wir uns bereits gut. Wir sind eine Baugruppe und haben drei Jahre lang die Höhen und tiefsten Tiefen eines solchen Projektes gemeinsam durchlebt. Wir haben eine gemeinsame Dropbox. Ich möchte eine Excelliste im diesem Webspace anlegen. Die Nachbarn können Geräte und Gegenstände eintragen, die sie gerne verleihen möchten. So entsteht eine kleine Leihbibliothek. Zu jedem Gegenstand sind die Kontaktdaten hinterlegt. Auch der Status der Dinge (frei, besetzt, reserviert) ist sichtbar. Alternativ kann diese Liste im gemeinsamen Keller aushängen. Oder schau mal, wie pumpipumpe das macht! Aufkleber an den Briefkästen zeigen, welcher Nachbar etwas zu verleihen hat.

Hier siehst Du meinen aktuellen Entwurf für die Excelliste:

excel

Meine Idee möchte ich über den E-Mail-Verteiler vorstellen. Eine Alternative könnte ein Aushang in der Nachbarschaft sein. Geeignete Orte sind beispielsweise der gemeinsame Hausflur, der Keller oder das Parkhaus. (Ich denke hier gerade an Mehrfamilienhäuser.)

Leihen anstatt kaufen – Erfahrungen sammeln

Diese Woche möchte ich meine Idee präsentieren. Ich bin schon sehr aufgeregt! Wie wird die Resonanz meiner Nachbarn sein? Haben viele Lust mitzumachen? Oder ernte ich Kritik, weil der Eindruck entsteht, dass ich schmarotzen will? Werde ich mir Probleme ans Bein binden, weil ich meine Sachen nicht sauber und ordentlich zurückbekomme? Vor allem bei unseren Zelten habe ich Bedenken. Aber: Ich gehe davon aus, dass die Leihgemeinschaft großen Spaß machen wird. Die Gefahr, dass jemand etwas kaputt macht oder sich nicht mehr meldet, ist gering, da wir ja zusammenwohnen. Ich halte Dich auf dem Laufenden.

Leihladen im großen Stil

Willst Du Du wissen, wie Du einen richtigen Leihladen eröffnest, der über nachbarschaftliches Verleihen hinausgeht? Dann schau auf der Internetseite von Leila vorbei. Ich habe im Workshop den Eindruck gewonnen, dass das Leila-Team sehr gerne Erfahrungen teilt. So viel sei schon vorneweg verraten: Es ist viel einfacher als gedacht.

In diesem Sinne:
The most important things in live aren’t things!
Anthony J. D’Angelo

⇒ Den neuesten Beitrag zur Leihgemeinschaft in der Nachbarschaft findest Du hier

8 Gedanken zu “Dinge ausleihen – Wie Du eine Leihgemeinschaft in der Nachbarschaft starten kannst

    • Katrin schreibt:

      Das werde ich machen! Danke für Dein Feedback 🙂 Bisher sind wir 4 Haushalte, die mitmachen wollen. D.h. das Projekt wird auf jeden Fall starten. Ich hoffe es melden sich noch mehr! Ein Update-Beitrag folgt. LG

      Gefällt mir

  1. Katrin schreibt:

    Aktueller Stand des Projektes am 14.11.: 7 von 30 Haushalten haben sich auf meine Mail gemeldet und wollen mitmachen. Insgesamt sind aktuell 36 Geräte bzw. Gegenstände in die Leihbibliothek (Excel-Liste) aufgenommen worden.
    Anstelle der Dropbox haben wir nun ein Google Docs Dokument verwendet, da die Liste so auch ohne Account bearbeitet werden kann.
    Die Liste ging nun an alle Haushalte raus, in der Hoffnung, dass noch viele auf das Projekt aufspringen 🙂

    Gefällt mir

  2. Brombeerhecke schreibt:

    Zwischenstand 25.11.: Inzwischen haben wir 70 Gegenstände in unserer Leihbibliothek! Und plötzlich haben alle Zugriff auf Zeugs, das ungenutzt im Keller herumstand! Bollerwagen, Fahrräder, Küchenmaschinen, Werkzeug, Gummiboote, eine Querflöte, Plastik-Christbäume! Yeah! Ich freue mich!

    Gefällt mir

  3. baumfrau schreibt:

    Ganz herzlichen Glückwunsch zu Deiner Leihgemeinschaft!!

    Ja, mitunter muss man/frau nur den ersten Schritt machen, vieles ergibt sich dann fast „wie von selbst“.
    Ich habe vor ein paar Jahren auch in meiner ländlichen Nachbarschaft damit angefangen, als mir mein Schredder verreckte, ich einen neuen kaufen musste aber mir irgendwie dachte, wie blöde das ist…. Ich nutze das Teil an max. 10 Tagen pro Jahr. Ich habe das dann dem ersten Nachbarn erzählt, der war gleich begeistert von der Idee, dass wir uns einen teilen. Also haben wir gemeinsam einen angeschafft. Verabredung ist: Egal bei wem das Teil den Geist aufgibt – wir legen dann wieder zusammen und kaufen einen neuen. Das mussten wir noch nicht mal! Als bei mir nach 2 Jahren der Schredder nicht mehr so wollte wie er sollte, bin ich mit hängendem Kopf zum Nachbarn und dem Bekenntnis: So, jetzt hab ich ihn wohl geschrottet. Der sagt nur, dass er da erst mal nachguckt – und schwuppdiwupp war er wieder so gut wie neu. Jetzt hat sich noch ein Nachbar eingekauft, so dass wir das Teil jetzt zu dritt „besitzen.“

    Ebenso lief das mit einem Holzspalter (einfach Nachbarn ansprechen) und meinem Auto, dass ich zu wenig brauche um es wirklich zu rechtfertigen aber als Landei doch hin und wieder. Das Auto teilen wir uns jetzt zu zweit. Feste Kosten (Versicherung/Steuer) : 2. Ansonsten führen wir Fahrtenbuch und legen für jeden km 20 ct zurück. Davon wird Sprit und Reparaturen und Tüv bezahlt. Klappt hervorragend!

    Wie ich an Deinem Beispiel sehe, ist das Projekt durchaus ausbaufähig!

    Danke für die Anregung und liebe Grüße
    Regina

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s